Mein T3 hatte über die letzten Monate eine Marotte entwickelt, die mich langsam zur Weißglut trieb: Er stockte im Leerlauf, als würde er kurz überlegen, ob er heute überhaupt Lust auf Autofahren hat. Ab und zu ging er dann einfach aus – gerne an der Ampel, gerne wenn hinter mir jemand hupte. Und wenn er dann wieder ansprang, klang das nicht nach „läuft“, sondern nach einem alten Mann, der morgens erstmal drei Anläufe zum Aufstehen braucht: husten, würgen, stottern, und dann irgendwann widerwillig doch.
Nach 43 Jahren im Dienst hatte der Vergaser sich offenbar entschieden, dass er sich jetzt seine Rente redlich verdient hat und ab sofort nur noch nach eigenem Ermessen arbeitet. Zeit für eine Grundreinigung.
Beim Zerlegen zeigte sich schnell, warum der Bus so launisch war: Jahrzehnte an Ablagerungen und Vergaserlack hatten sich in den Düsen und Kanälen breitgemacht wie unerwünschte Mitbewohner, die nie wieder ausziehen wollten. Kein Wunder, dass die Gemischbildung unsauber war und der Motor im Leerlauf ins Grübeln kam.
Und dann die zweite Überraschung: die Unterdruckdose war hinüber. Die Membran hatte über die Jahrzehnte ihre Elastizität verloren und hielt keinen Unterdruck mehr – genau das Bauteil, das für saubere Zündverstellung unter Last sorgt. Kein Wunder, dass der Motor sich beim Gasgeben manchmal anfühlte, als müsste er erst eine Grundsatzentscheidung treffen, bevor er Leistung freigibt. Da ich schon mal alles offen hatte, wanderte die defekte Dose gleich mit auf die Werkbank – wo sie auch hingehörte, nämlich in den Feierabend.
Düsen ausgeblasen, Kanäle durchgepustet, Dichtungen erneuert, neue Unterdruckdose rein, alles wieder fein säuberlich zusammengesetzt – und dann der Moment der Wahrheit: Zündschlüssel rum.
Der Motor sprang an, als hätte er nie etwas anderes gekannt. Kein Husten, kein Stottern, kein dramatisches Nachbrennen. Nur ein sattes, gleichmäßiges Schnurren im Leerlauf – als läge da ein zufriedenes Kätzchen unter der Motorhaube statt eines luftgekühlten Boxermotors mit Vierzig-Jahre-Vertrag.
43 Jahre Ablagerungen, eine kaputte Unterdruckdose und ein Motor mit Sturkopf – aber am Ende hat der alte Bus doch wieder gelernt, dass Zusammenarbeit auch ohne Drama geht.